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Die diesjährigen Kantonalen Zürcher Meisterschaften RG fanden am vergangenen Wochenende in Rüschlikon statt. Mit viel Freude präsentierte Carol zwei Showeinlagen bei ihrem Heimverein.
Im Anschluss wurde Carol zum Ehrenmitglied der RG Rüschlikon ernannt.
Nach der Nicht-Qualifikation Gruppe für die Olympischen Spiele 2012 haben Capucine Jelmi (19, Hauterive), Marine Périchon (18, Plan-les-Ouates) und Souheila Yacoub (19, Genf) per sofort den Rücktritt vom Spitzensport bekannt gegeben. Carol Rohatsch (18, Wädenswil) tritt per Ende Juni 2012 zurück.
Felix Stingelin, Spitzensportchef des Schweizerischen Turnverbandes bedauert den Entscheid der vier Gymnastinnen. «Ich kann es verstehen, doch ich hätte mir gewünscht, dass sie die Wettkampfsaison beendet hätten.» Durch den Rücktritt von vier von sieben Gymnastinnen des Nationalkaders muss die Schweiz auf den Start an den internationalen Wettkämpfen 2012 und vor allem auf den Start an den Europameisterschaften vom 29. Mai bis 3. Juni 2012 in Nischni Nowgorod (Russ) verzichten. Eine Gruppe besteht aus fünf Gymnastinnen. Mittelfristig wird eine neue Gruppe mit dem Ziel Olympische Spiele 2016 aufgebaut. Im Sommer werden Juniorinnen ins Verbandszentrum nach Magglingen wechseln. Bis diese ins Nationalkader integriert sind und neue Gruppenübungen zusammengestellt sind braucht es aber seine Zeit.
Die Schweiz gehört heute in der Rhythmischen Gymnastik zu den besten zehn Nationen der Welt. An den Weltmeisterschaften 2011 in Montpellier (Fra) wurde die Schweizer Gruppe ausgezeichnete 8. im Mehrkampf und 4. im Gerätefinal Band/Reif; an der WM 2010 in Moskau (Russ) wurden sie 9. im Mehrkampf. Trotzdem werden die Gymnastinnen Sommer nicht an den olympischen Spielen teilnehmen können. Zum ersten Mal lief der Qualifikationsmodus über ein zweistufiges Verfahren. Anlässlich der WM im Herbst 2011 qualifizierten sich die ersten sechs Gruppen für die OS, die nächsten sechs Nationen für den Testevent vom Januar 2012 in London. Dieser Modus erwies sich für die Schweiz leider als Nachteil. Am 17. Januar 2012 beendete das Schweizer RG Team den Gruppen-Mehrkampf am Olympischen Testevent in London auf dem undankbaren fünften Rang. Nur ein Platz entfernt von der Olympia-Qualifikation. Nach altem Qualifikationsprozedere waren die ersten zehn Nationen der WM startberechtigt. Noch nie war eine Schweizer Gruppe der Rhythmischen Gymnastik so erfolgreich.
Die Enttäuschung der Gymnastinnen und Trainerinnen war riesig und löst nun leider eine Rücktrittswelle aus:

Carol Rohatsch (Wädenswil, RG Rüschlikon) war seit 2009 Mitglied des Schweizer Nationalkaders und konnte während vielen Jahren eine Vielzahl von nationalen und internationalen Erfolge feiern. Sie nahm an drei Welt- und zwei Europameisterschaften teil. Zu ihren grössten Erfolgen gehören die beiden WM-Diplome 2011 (8. Gruppen-Mehrkampf, 4. Band/Reif), der 9. Rang im Gruppen-Mehrkampf an der WM 2010 sowie das EM-Diplom 2010 für den 8. Rang Band/Reif. Leider wurde ihr der grösste Traum aller Sportlerinnen verwehrt, die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Während vielen Jahren lebte Carol Rohatsch für ihren Sport und ihre Passion, nun tritt sie per Ende Juni 2012 zurück. «Die Enttäuschung nach der Nichtqualifikation für die Olympischen Spiele war riesig und schmerzt mich immer noch. Die Entscheidung den Rücktritt zu geben ist mir alles andere als leicht gefallen», gesteht die Zürcherin, «nachdem klar war, dass unsere Gruppe nun auch nicht mehr an die EM kann, fehlt mir die Perspektive und das Ziel um weiter zu machen». Carol Rohatsch wird an den Schweizer Meisterschaften 2012 vom 26./27. Mai 2012 in Bern starten. Mit Sicherheit wird sie noch einmal das Publikum mit ihrer Leidenschaft zur Rhythmischen Gymnastik verzaubern. Carol Rohatsch, will aber auch in Zukunft ihren Bewegungsdrang ausleben können: «Was ich genau machen werde weiss ich noch nicht, aber auf alle Fälle suche ich mir wieder einen Sport.» Gut vorstellen kann sie sich auch, dass sie irgendwann als Trainerin in der RG in der Halle stehen wird. Doch vorerst will sie die Handelsmittelschule in Zürich abschliessen.
Renate Ried
Fotos: Peter Friedli
Der britische Turnverband meldete gestern Montag, dass er seine Gymnastinnen für die OS 2012 in London nominieren werde. Dies obwohl bereits früher mitgeteilt wurde, dass der Verzicht auf die Teilnahme endgültig und kein Rekurs möglich sei…
Die englischen Gymnastinnen hatten zuvor Unterschriften für ihre OS-Teilnahme gesammelt und sich an die British Olympic Association (BOA) gewandt. Zudem wurde ein Mediator engagiert. British Gymnastics hat nun entschieden ihr Team bei der BOA zu nominieren.
Für die Schweizer Gymnastinnen ist somit der Traum von Olympia geplatzt und der Frust sitzt tief.
Nach aufreibenden Testevent-Tagen in London ist das Schweizer Team der Rhythmischen Gymnastik am Donnerstag, 19. Januar 2012 wieder wohlbehalten zuhause gelandet.
«Wir sind sehr zufrieden. Aber es mischt noch ein komisches Gefühl mit, da wir die offizielle Bestätigung noch nicht haben, dass wir an den Olympischen Spielen dabei sind», so die sechs Gymnastinnen, Capucine Jelmi, Nathanya Köhn, Marine Périchon, Carol Rohatsch, Lisa Tacchelli und Souheila Yacoub, nach ihrer Ankunft in Genf. «Dieser Wettkampf war Stress pur und sehr emotional – von jauchzend bis tief traurig haben wir alles erlebt», erzählen sie weiter.
Nach zehn Tagen verdienten Ferien beginnt die Vorbereitung auf die Weltcups, die Europameisterschaften und hoffentlich auch für die Olympischen Spiele 2012.
Alexandra Herzog-Vetsch

Das Team der Rhythmischen Gymnastik beendete den Gruppen-Mehrkampf auf dem undankbaren fünften Rang. Einen Platz entfernt von der Olympia-Qualifikation. Doch noch geben wir die Hoffnung nicht auf. Grossbritannien, das als Gastgeberland einen Startplatz auf sicher hat, verzichtet gemäss Tim Jones (British Gymnastics Olympic Performance Director) auf den Startplatz. Die Schweiz würde nachrutschen.
Zittern müssen wir aber bis Ende Februar. Die FIG (Fédération internationale de Gymnastique) tagt dann in Lausanne und braucht den schriftlichen Verzicht des britischen Verbandes. Wir hoffen weiter! Zuversichtlich stimmt uns, dass auch BBC heute verkündigt hat, dass Grossbritannien nicht teilnimmt.
Die heutige Übung mit drei Bändern und zwei Reifen gelang den Schweizerinnen gut. Die Cheftrainerin Heike Netzschwitz lobte die Gymnastinnen: „Sie haben nach dem gestrigen Schock super gekämpft. Es war wirklich super, wie sie sich motiviert haben.“ Doch auch heute wurden die Schweizerinnen vom Kampfgericht hart angefasst und bekamen nur die fünftbeste Note 25,050. Die Gymnastinnen waren enttäuscht und verstanden die Welt nicht mehr. „Es ist nicht normal, wir wissen nicht was sie uns abgezogen haben“, äussert sich Souheila Yacoub (Genf). Die Enttäuschung über die Bewertung war riesig, die Schweizerinne konnten ihre Tränen nicht zurück halten und verliessen resigniert die Halle. Für ihren Olympiatraum haben sie in den letzten Monaten viel investiert und auf vieles verzichtet. 40 Stunden pro Woche trainierten sie – tausendfach wiederholten sie jedes Detail ihrer Übung. Als Frankreich auf dem sechsten Platz Protest einreichte, stand den Fans, Turnerinnen und den Trainern noch einmal das Herz still, sollte Frankreich die Schweiz überholen, dann wäre auch der letzte Funke Hoffnung vorbei. „Ich will es gar nicht wissen, ich kann nicht mehr“, gestand Marine Périchon (Plan-les-Ouates). Dem Protest wurde stattgegeben, aber die Note zum Glück „nur“ um 0,2 Punkte erhöht, so dass die Schweiz am Ende doch noch um 0,2 Punkte vor Frankreich und damit auf dem fünften Rang liegt.
Die Nachricht über den möglichen Verzicht lässt die Gymnastinnen, das Trainerteam und die vielen treuen Fans hoffen. Nathanya Köhn (Balgach): „Ich wage noch gar nicht daran zu glauben.“ Doch alle Gymnastinnen wirken erleichtert, aufgeben wollen sie nicht und versprechen weiter zu machen. Nach einem Moment des Verarbeitens geben sich die Mädchen kämpferisch „Wir glauben daran. Wir werden an den olympischen Spielen teilnehmen.“ Vor allem bei der Ballübung wurden die Schweizerinnen wirklich hart für einen Fehler (Ballverlust) bestraft. Der Rest der Übung war perfekt: die Virtuosität, die Originalität, die Schwierigkeiten, die Ausführung alles war vorhanden. Cheftrainerin Heike Netzschwitz fasst zusammen, was der Verzicht der Engländerinnen für die Schweiz bedeuten würde: „Gerechtigkeit würde siegen.“
Renate Ried

Die Gymnastinnen sind heute morgen mit vielen Wünschen und Hoffnungen im Gepäck von Genf aus in Richtung London gestartet.
In der O2-Arena werden am Montag und Dienstag 16./17. Januar die letzten Startplätze für Olympia 2012 vergeben. Nach den hervorragenden Ergebnissen bei den Weltmeisterschaften in Montpellier, dürfen sich die Gymnastinnen berechtigte Hoffnungen für Teilnahme an den olympischen Spielen 2012 machen.

Vor vollem Haus verabschiedeten sich die Gymnastinnen des Regionalen Leistungszentrums Zürich in die wohlverdienten Weihnachtsferien.
Das Nationalkader nutzte drei Wochen vor dem alles entscheidenden Testevent in London (Qualifikation für die olympischen Spiele 2012) die Gelegenheit, nochmals unter wettkampfmässigen Voraussetzungen aufzutreten. Weihnachtsferien gibt es für das Nationalkader dieses Jahr für einmal nicht, wird doch alles der erstmaligen Teilnahme einer Schweizer Gruppe an Olympia untergeordnet.

>>> Fotos
Rhythmische Gymnastik: Schweiz belegt den vierten Platz am internationalen Turnier in Saragossa
11.12.11 10:59
Am Samstag, 10. Dezember 2011 bestritten die Schweizer Gymnastinnen mit dem internationalen Turnier in Saragossa (Sp) den letzten Wettkampf vor dem entscheidenden Test-Event im Januar 2012 (2. Olympia-Qualifikation). Das Schweizer Team wird Vierte hinter Russland, Spanien und Frankreich.
Die Schweizer Gruppe zeigte eine sehr gute Übung mit fünf Bällen (Nathanya Köhn, Marine Perichon, Carol Rohatsch, Lisa Tacchelli, Souheila Yacoub). In der Übung mit Reif/Band mussten die Gymnastinnen (Capucine Jelmi, Nathanya Köhn, Marine Perichon, Carol Rohatsch, Souheila Yacoub) einen Wechselfehler hinnehmen. Der Wurf mit dem Band war zu kurz. Dadurch ergaben sich Abzüge in der Schwierigkeitsnote ( D2 ) und in der Ausführung. Mit der Gesamtpunktzahl von 51,75 belegte die Schweiz den vierten Platz von zehn Gruppen.
«Wir wissen, dass wir für den Test Event 2 Uebungen ohne Fehler zeigen müssen und wollen und sind optimistisch, dass wir das schaffen werden . Da Russland schon für OS qualifiziert ist, haben wir an diesem Turnier den dritten Platz belegt, was beim Test Event der OS-Quali entspricht», erklärte Cheftrainerin Heike Netzschwitz.
Die fünf Länder, welche sich an der WM in Montpellier 2011 neben der Schweiz ebenfalls einen Test-Event-Startplatz gesichert haben, traten in Saragossa an. Namentlich waren das Frankreich, Israel, Griechenland, Spanien und Ukraine.
Das Gastgeberland der Olympischen Spiele, Grossbritannien, hätte an den Olympischen Spielen einen Startplatz zu gut. Ob es diesen wahrnehmen wird, ist fraglich, denn am Turnier in Saragossa wurde die englische Gruppe nicht einmal benotet, da ihre Leistung so stark von den anderen abfiel.
Ausserdem war Russland, das sich bereits direkt für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London (Gb) qualifiziert hat, mit zwei Teams am Start.
Saragossa (Spa). Internationales Turnier. Seniorinnen. Mehrkampf: 1. Russland 55,875. — 2. Spanien 54,175. — 3. Frankreich 52,2. – Ferner: 4. Schweiz 51,75. – 10 Gruppen klassiert.
>>>> Rangliste
Das Schweizer Nationalkader der Rhythmischen Gymnastik ist mit der Qualifikation für den olympischen Test-Event im Januar 2012 auf der «Road to London» einen grossen Schritt weitergekommen. Swiss Olympic hat die Gymnastinnen in Magglingen besucht.
Im Spagat nach London
Seit 20 Jahren ist die gebürtige Deutsche Heike Netzschwitz in der Schweiz als Cheftrainerin der Rhythmischen Gymnastik tätig. Obwohl sie viele Rückschläge einstecken musste, steht sie mit ihrem Nationalkader heute ganz nahe an einer Olympia-Qualifikation.

Heike Netzschwitz (ganz links) mit ihrem Team. (Foto: zVg)
Existenzängste
1996 wurde im Schweizerischen Turnverband (STV) diskutiert, die Rhythmische Gymnastik aufgrund geringer Erfolgsaussichten nicht weiter auf Spitzensport-Niveau zu betreiben. Eine Diskussion, die für Cheftrainerin Heike Netzschwitz überraschend kam. «Wir hatten 1992 begonnen, eine neue Struktur mit fünf regionalen Leistungszentren (RLZ) in der ganzen Schweiz aufzubauen. Zusätzlich betreuten wir eine Gruppe, die sich in der Vorbereitung für die Juniorinnen-Europameisterschaft 1997 befand. Dass unsere Sportart hinterfragt wurde, hat mich schockiert, da es im Vorfeld dieser Diskussionen keine Hinweise auf ein solche Entscheidung des STVs gegeben hatte.» Viele Anhänger der Rhythmischen Gymnastik haben sich damals jedoch dafür eingesetzt, den Spitzensport weiterhin beizubehalten. Schliesslich konnten sie sich damit durchsetzen. Die Entscheidung wurde an den Europameisterschaften 1997 durch den hervorragenden achten Platz der Schweizer Juniorinnen bestätigt.
In den darauffolgenden Jahren hat die Rhythmische Gymnastik durchaus ansprechende Resultate an Welt- und Europameisterschaften erzielt, jedoch liess die Konstanz dieser Ergebnisse zu wünschen übrig. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die jungen Gymnastinnen, welche in das Nationalkader nach Magglingen aufgeboten wurden, noch ein ungenügendes Niveau aufwiesen.
Das Ziel ist es heute, Mädchen, die den Sprung nach Magglingen schaffen, bereits zuvor auf ein bestimmtes Niveau gebracht zu haben. «Es wäre schön, wenn die Gymnastinnen bereits weiter wären, wenn wir sie zu uns holen. Sie sind mit der neuen Situation, oftmals weg von der Familie, der alten Schule, von Freunden und Bekannten, schon fast überfordert. Hinzu kommt, dass sie die grossen Trainingsrückstände aufholen müssen.» Der Grund dafür ist gemäss Netzschwitz aber nicht ein fehlendes Engagement der Trainerinnen in den RLZ , sondern die finanzielle Situation. Bisher war es kaum möglich, die zwei nötigen Trainerinnen pro RLZ zu beschäftigen. Vor knapp zehn Jahren wurde die Rhythmische Gymnastik öffentlich in Frage gestellt, heute scheint sich die Sportart etabliert zu haben – dennoch kämpfen die Trainerinnen und Trainer immer noch mit Basisproblemen.
Das gewisse Etwas
Einige der Mädchen im Nationalkader hat Heike Netzschwitz bereits als 13-jährige nach Magglingen beordert. «Manche waren vielleicht von der Leistung her gesehen noch nicht soweit», räumt Netzschwitz ein. «Manchmal sehe ich eine Gymnastin und weiss, die hat etwas, was ich will. Talent, das gewisse Etwas, die figürlichen Voraussetzungen, Beweglichkeit, eine spezielle Ausstrahlung, den Willen, es bis ganz nach oben zu schaffen.» Auch das aktuelle Nationalkader setzt sich so aus unterschiedlichen Mädchen zusammen. Stephanie Kälin ist mit ihren 16 Jahren die Jüngste im Team. Grazil und anmutig schreitet sie mit ihren Teamkolleginnen über den Teppich, der für sie die Welt bedeutet. Die bulgarische Nationaltrainerin Vesela Veselinova Dimitrova, die Netzschwitz seit einigen Jahren unterstützt, gibt Anweisungen in Richtung des Teppichs. «Hoch, hoch». Die Beine schnellen in die Höhe, Spagate, Verrenkungen, und trotz aller Anstrengungen bewahren die Gymnastinnen stets ein Lächeln auf den Lippen. Das Training in der Gruppe besteht aus einem zweistündigen Einturnen, welches Balletttraining sowie Übungen zur Beweglichkeit, Kraft und Koordination umfasst. Erst danach wird zu den Handgeräten gegriffen und eine Choreografie in der Gruppe geübt.
«London 2012» vor Augen
Das grosse Ziel liegt in greifbarer Nähe: Zum ersten Mal überhaupt hat ein Schweizer Nationalkader der Rhythmischen Gymnastik eine realistische Chance, an Olympischen Spielen teilzunehmen. «Wir wollen unbedingt nach London», sind sich die Mädchen einig. Dank einem hervorragenden achten Platz im Mehrkampf und einem vierten Platz im Finale an der Weltmeisterschaft in Montpellier dieses Jahr konnte sich das Team für die Olympia-Test-Events qualifizieren. Im Januar fliegen sie nun nach London, wo sie zwei Tage hintereinander auftreten. «Am Test-Event müssen wir gegen die harte Konkurrenz bestehen», sagt Heike Netzschwitz. Für die Vision «Olympia» hat Netzschwitz in Absprache mit Eltern und Schulen alle Mädchen für ein Jahr aus dem normalen Schulbetrieb genommen. «Wir trainieren zur Zeit etwa 40 Stunden in der Woche.» Die Zielvorgabe ist klar definiert: Das Team soll Körpertechnik und Synchronisation verbessern. Zudem sollen die noch jungen Mädchen eine Wettkampfstärke entwickeln, eine gewisse Härte und Disziplin.
Emotionen im Training
«Man mag sagen, wir Trainer seien hart», erzählt Netzschwitz. Sie ist aber überzeugt, dass Stabilität nur durch strenges und kontinuierliches Training erreicht werden kann. «Wir wollen in den Trainings und Testwettkämpfen Drucksituationen erschaffen, die die Mädchen bewältigen müssen. Wenn es Stabilitätsfehler gibt, müssen sie ein zusätzliches Training am Samstagnachmittag oder Montagmorgen absolvieren, was dann wiederum eine nur kurze Heimfahrt nach Hause bedeutet. Es zeigt aber auch, dass, wer einen Fehler macht, vielleicht noch nicht so weit ist, auf internationalem Niveau zu bestehen.» Wer eine Übung bereits 1000 Mal absolviert habe, wisse selbst, dass man es könne. Netzschwitz will niemandem etwas einreden, niemandem Selbstvertrauen schenken, das er selbst nicht hat. So will sie Fehler, wie zum Beispiel den Verlust eines Geräts, auch nicht Zufall oder Glück überlassen. «Wer mehr trainiert, hat mehr Glück», sagt sie. Netzschwitz fordert von den jungen Gymnastinnen alles, ist aber im Gegenzug auch bereit, alles zu geben. «Ich will Emotionen im Training verarbeiten. Ich möchte die Tränen nicht an einer WM oder an den Olympischen Spielen sehen. Deshalb sehe ich Rück-und Tiefschläge auch als Momente im gesamten Trainingsprozess, die nicht überbewertet werden sollten. Der Weg ist das Ziel.»
Das Team als Familie
Das Nationalkader, zurzeit bestehend aus bis zu sieben Mädchen, ist mittlerweile stark zusammengewachsen. «Ich kenne die Mädchen gut. Ich weiss, wie sie funktionieren und wie wir im Training und Wettkampf mit Ihnen umgehen müssen , um eine optimale Leistung zu erreichen. Jede reagiert anders, jede hat Stärken und Schwächen, die innerhalb des Teams zu tragen kommen.» Heike Netzschwitz stellt die Teilnahme als Gruppe allerdings nie in Frage. «Einzeln hätten wir keine Chance, es in die Top Ten zu schaffen.»

Das Schweizer Nationalkader (von links nach rechts): Marine Périchon, Nathanya Köhn, Carol Rohatsch,
Lisa Tacchelli und Stephanie Kälin.
Bestätigung Olympische Spiele
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London würde für Heike Netzschwitz, das Trainerteam und die Gymnastinnen endlich eine Art Belohnung und Bestätigung für die jahrelang geleistete Arbeit bedeuten. «Ich hoffe, dass wir die Qualifikation schaffen und sich so unser grösster Traum verwirklicht. Wir arbeiten hart für unser Ziel. Mit einer Teilnahme könnten wir die Schweizer Bevölkerung auf diese wunderbare Sportart aufmerksam machen und die neu eingenommenen Ressourcen dazu nutzen, weiter an der Basis zu arbeiten, uns zu verbessern und weiter zu bringen.»
Rhythmische Gymnastik
Rhythmische Gymnastik wurde ab den 40er Jahren mehrheitlich in osteuropäischen Ländern praktiziert. Die Kernelemente sind ein ausdrucksvoller Tanz, der Beweglichkeit und Kraft mit verschiedenen Handgeräten (Seil, Reif, Ball, Keulen oder Band) kombiniert. Seit 1996 ist die Disziplin in der 5er-Gruppe olympisch. Als Begründer der Sportart in der Schweiz gilt der Portugiese Fernando Dâmaso, der von 1975 bis 1988 das Nationalteam betreute. An der WM 2011 in Montpellier zeigte das aktuelle Schweizer Team, das es heute mit der Weltspitze mithalten kann. Das Team um Marine Périchon, Capucine Jelmi, Nathanya Köhn, Stephanie Kälin, Lisa Tacchelli, Carol Rohatsch und die noch verletzte Souheila Yacoub erzielte das beste Schweizer WM-Resultat aller Zeiten und hat nun die Chance, sich für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren.
http://www.swissolympic.ch/olympiablog/
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